In Memoriam an Uli Sckerl MdL

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Uli Sckerl war eine große Politiker-Persönlichkeit für Weinheim, die Bergstraße, den Rhein-Neckar-Kreis und für das Land Baden-Württemberg.

Erst Anfang Januar hatte er die Öffentlichkeit über seine Krebserkrankung informiert. Noch wenige Wochen vor seinem Tod hatte er sich über Mails und Mitteilungen in politische Diskussionen eingebracht. Er hatte zuletzt keine Kraft mehr für die Politik, die sein Leben war. Die Nachricht von seinem Tod hat in der ganzen Region Trauer ausgelöst.
 
Hans-Ulrich Sckerl, „Uli“, wie er genannt wurde, hinterlässt eine Familie und viele nun tief getroffene Menschen, die ihn geschätzt und geachtet haben über die Parteigrenzen hinweg – in seiner Partei der Grünen, die er an der Bergstraße geprägt hat wie kein Zweiter, im Weinheimer Gemeinderat, dem er seit 2004 angehört hat, im Bündnis „Weinheim bleibt bunt“, zu dessen Gründern er gehörte, aber natürlich im ganzen Land. Denn als Landtagsabgeordneter seit 2006, Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion und Stellvertretender Fraktionsvorsitzender gehörte er seit etlichen Jahren zu den Frontleuten und Gallionsfiguren der Grünen in Baden-Württemberg. Zweimal, 2016 und 2021, zog er mit einem Direktmandat in den Stuttgarter Landtag ein. Sogar seine politischen Mitbewerber zogen tief den Hut vor dieser Beliebtheit, die er sich mit einem bedingungslosen Einsatz für die Menschen in seinem Wahlkreis erworben hatte.

Seine Krankheit hatte er selbst öffentlich gemacht, bevor er seine Ämter ruhen ließ. Dennoch herrschte am Abend des 14. Februar großes Entsetzen, als die Nachricht seines Todes bekannt wurde.

„Wir verlieren einen unerbittlichen Kämpfer für die Demokratie, einen Vollblutpolitiker und einen großartigen Menschen“, erklärte Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just. Im Namen des Gemeinderates und der Stadtverwaltung sprach er der Familie sein Mitgefühl aus. Der Weinheimer OB würdigte Sckerl als „Urgestein der Grünen mit einem generalistischen Blick auf alle wichtigen Politikfelder“, als „politischen Kopf, der zum Wohl seiner Heimatstadt die politischen Ebenen der Kommune und des Landes hochprofessionell verweben konnte“.

Auch Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner betonte, dass Uli Sckerl in der Weinheimer Kommunalpolitik über Parteigrenzen hinaus eine Instanz gewesen ist und „in schwierigen Situationen für das Gremium besonders wichtig“. Seine Lücke, so Fetzner, sei nicht ohne weiteres zu schließen. Just und Fetzner sprachen von einem rastlosen, ja aufopferungsvollen Einsatz des Politikers für die Demokratie und für die Menschen.

Auch der Sprecherkreis des Bürgerbündnisses „Weinheim bleibt bunt“, dem Uli seit der Gründung des Bündnisses angehörte, würdigte den Grünen-Politiker, der vor sieben Jahren das Bündnis angesichts wiederkehrender NPD-Veranstaltungen in Weinheim mitgegründet hat. „Er war unser Freund, unser Motor, ein Ideengeber und in seiner großen Erfahrung ein Korrektiv zur richtigen Zeit“, heißt es aus dem Bündnis. „Sein Rat und seine Einschätzungen, aber auch sein Netzwerk waren für uns von ganz großem Wert“, so der Sprecherkreis.

Fadime Tuncer, Kreisvorsitzende der Grünen im Kreis Neckar-Bergstraße, erklärte: „Uli Sckerl hinterlässt eine große Lücke. Wir können unseren Kreisverband und Wahlkreis ohne Uli Sckerl gar nicht vorstellen. Er hat die politische Arbeit und die Diskussionskultur als Co-Vorsitzender und Landtagsabgeordneter stark geprägt. Trotz der starken Einbindung in die Landtagsarbeit, war er für die Menschen, Vereine, Verbände in der Region, in seinem Wahlkreis immer da, für Ihre Anliegen und Sorgen, fachlich hochkompetent. Wir verlieren einen großartigen Politiker, einen wunderbaren Menschen, einen tollen Freund.“

Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner äußerte sich ebenso betroffen: „Uli hat so unglaublich viel für unsere Region, für unser Land und uns Grüne geleistet. Auf Uli war immer Verlass, in guten wie in schlechten Zeiten. Politische Haltung auch in harten Auseinandersetzungen war sein Markenkern. Der Wille, Menschen zu überzeugen und einzubinden, die Demokratie zu stärken und zu schützen – das bleibt für uns der Auftrag, für den Uli so viel Kraft und Intelligenz gegeben hat.“

„Sein Wissen, seine Verbindungen, sein Gespür für das Wichtige und Machbare in der Kommunalpolitik hat die Arbeit – und letztendlich den Erfolg der GAL in Weinheim über so viele Jahre mitgeprägt“, erklärte Elisabeth Kramer, die GAL-Fraktionsvorsitzende im Weinheimer Gemeinderat. „Seine klaren Vorstellungen in der Klima- und Energiepolitik, was den Umgang mit Flüchtlingen anging, sein Wissen in Rechts- und Finanzfragen und in vielem anderen waren immer von unschätzbarem Wert für die grüne Kommunalpolitik. Die Diskussionen mit ihm waren immer intensiv – aber immer auch ergiebig“, betonte sie. Insbesondere für die jungen Fraktionsmitglieder sei er ein großes Vorbild und ein Förderer gewesen. Elisabeth Kramer: „Wir verlieren einen stets streitbaren, fordernden und mit seiner unbändigen Energie vorbildlichen Freund und Kollegen. Wir werden Uli Sckerl nicht vergessen, wir werden uns immer wieder an ihn erinnern müssen. “

Brigitte Demes, Ortsverbandsvorsitzende in Weinheim: „Der Ortsverband Weinheim von Bündnis 90/Die Grünen und die GAL Weinheim sind zutiefst betroffen und voller Trauer über den Tod von unserem Uli Sckerl. Wir haben einen großen Fechter für unsere politischen Ziele verloren und einen guten Freund. Seine Klarheit und Weitsicht, sein politischer und ethischer Kompass haben uns über viele Jahre geleitet und gestützt. Wir trauern um ihn und vermissen ihn sehr. Wir hören seinen Auftrag an uns und werden uns der Verantwortung stellen.“

 Die Trauerfeier für Uli Sckerl fand am Samstag, den 19. Februar um 14 Uhr in der Peterskirche in Weinheim statt. Es war eine Trauerfeier mit Sarg, vor der Kremation. Die Urnenbeisetzung am Grab erfolgte später im engsten Familienkreis.

Wir werden Ulis Andenken und seine beispiellosen Verdienste für Weinheim, den Kreis, die Region und das Land in höchsten Ehren halten. 
Uli, du fehlst uns so sehr…
 

Zu Ulis politischem Werdegang 

Uli Sckerl war seit 2006 Abgeordneter für den Wahlkreis Weinheim im Landtag von Baden-Württemberg. Nach der Regierungsübernahme durch GRÜNE und SPD im März 2011 wurde er zum Parlamentarischen Geschäftsführer und stellvertretenden Vorsitzenden der grünen Landtagsfraktion gewählt. Während der ersten Regierung Kretschmann wurde er 2 x in diesem Amt bestätigt. Auch in der Koalition GRÜNE-CDU ab Mai 2016 setzte Sckerl diese Aufgaben fort und wurde in der Zwischenzeit erneut zwei Mal von der Fraktion in seinem Amt bestätigt.

Für die GAL gehörte Uli Sckerl seit 2004 dem Gemeinderat in Weinheim an. Von 1989-1998 war er Gemeinderat der GLH in Hirschberg. 
Von 1984 – 2017 war Uli Sckerl zudem Kreisrat im Rhein-Neckar-Kreis. Von 1984 – 2011 engagierte er sich als Vorsitzender der Kreistagsfraktion der Grünen. Gemeinderat und Kreisrat sind sehr zeitaufwendige Ehrenämter.

Vor seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter war Sckerl zuletzt als Rechtsberater und Geschäftsführer tätig.

Sein politisches Leben war durch und durch grün: Mitglied der Grünen seit 1980. 10 Jahre lang Landesvorsitzender der grün-alternativen kommunalpolitischen Vereinigung GAR. Von 2001-2009 war Sckerl Mitglied des Landesvorstands der Grünen Baden-Württemberg.

Wie er das alles schafft hat? – „In der Ruhe liegt die Kraft“ lautete sein Motto. Sachlichkeit ohne blinden Aktionismus und Ausdauer bei der Lösung von Problemen waren „sein Ding“.

Im Landtag von Baden-Württemberg war Uli Sckerl fachpolitisch vielfach eingebunden. Er war in der dritten Wahlperiode hintereinander innenpolitischer Sprecher der grünen Fraktion. Er war Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, das den Verfassungsschutz kontrolliert. Zudem war er datenschutzpolitischer Sprecher der Grünen. Er hat sich als Obmann in mehreren Untersuchungsausschüssen (UA) des Landtags in der Landespolitik einen Namen gemacht, so im UA zur Aufklärung des sog. „EnBW-Deals“ des Ex-Ministerpräsidenten Stefan Mappus, zum anderen in zwei UAs zur Aufklärung des sog. „Schwarzen Donnerstag“ (30. September 2010 in Stuttgart), dem Tag des schlimmsten Polizeieinsatzes in der Geschichte des Landes gegen protestierende Bürger*innen.

„Familienzeiten sind das Schönste.“ – Uli Sckerl achtete strikt darauf, dass bei allem Engagement seine Familie nicht zu kurz kommt. Er war verheiratet und hatte 2 Kinder. Sckerl lebt mit seiner Familie in Weinheim. 
Zu seinen Hobbys zählte er Hunde, Laienschauspiel, Comedy und Gesang.